Was ist eine Sehnenscheidenentzündung? (Quervain-Krankheit)
Die Tendovaginitis de Quervain ist eine schmerzhafte Entzündung der Sehnenscheiden an der Daumenseite des Handgelenks. Betroffen sind die Sehnen, die für das Abspreizen und Strecken des Daumens verantwortlich sind. Durch die Entzündung schwillt das Gewebe an, so dass die Sehnen nicht mehr frei durch ihren engen Kanal gleiten können. Dies führt zu Schmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit des Daumens und des Handgelenks.
Die Schmerzen treten meist an der Daumenseite des Handgelenks auf und verstärken sich bei Belastung. Besonders schmerzhaft sind Bewegungen wie das Greifen, Heben, Tragen oder das Drehen des Handgelenks. Auch das Abspreizen des Daumens oder das Heranführen des Daumens zum kleinen Finger kann Beschwerden auslösen.
Häufig besteht zudem eine Druckempfindlichkeit an der Daumenseite des Handgelenks. In manchen Fällen ist dort auch eine leichte Schwellung sichtbar oder tastbar. Bei länger bestehenden Beschwerden kann es vorkommen, dass bei Bewegungen ein spürbares oder hörbares Knirschen entsteht.
Die Stärke der Beschwerden ist sehr unterschiedlich: Manche Betroffene verspüren nur einen ziehenden Schmerz bei bestimmten Bewegungen, während andere unter starken Schmerzen leiden, die sogar in Ruhe bestehen und alltägliche Tätigkeiten deutlich erschweren.
Typische Beschwerden


Ursachen und Risikofaktoren
Die Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) entsteht meist durch chronische Überbelastung oder repetitive Bewegungsabläufe im Alltag und Beruf. Häufige Auslöser sind intensive PC-Arbeit, sportliche Aktivitäten oder handwerkliche Tätigkeiten ohne ausreichende Pausen. Darüber hinaus können anatomische Besonderheiten, entzündlich-rheumatische Erkrankungen oder hormonelle Veränderungen das Risiko für eine Entzündung erhöhen. Eine frühzeitige Analyse der individuellen Belastungsfaktoren ist entscheidend für eine nachhaltige Heilung.
Klinische Diagnose
Typisches Erscheinungsbild und Symptome

Eine Sehnenscheidenentzündung äußert sich häufig durch sichtbare Schwellungen entlang der betroffenen Sehnenverläufe. Besonders im Bereich des Handgelenks oder des Daumens sind Rötungen und eine tastbare Erwärmung typische klinische Anzeichen.
Funktionell zeigt sich oft ein Druckschmerz sowie ein charakteristisches „Knirschen“ bei Bewegungen. In fortgeschrittenen Stadien kann es zu einer sichtbaren Verdickung der Sehnenscheide kommen, die die Bewegungsfreiheit der Hand merklich einschränkt.
Diagnostik
Die Diagnose einer Tendovaginitis de Quervain wird in der Regel bereits durch die typische Krankengeschichte und eine sorgfältige klinische Untersuchung gestellt. Ein erfahrener Handchirurg kann die Erkrankung anhand der charakteristischen Beschwerden und gezielter Untersuchungsgriffe zuverlässig erkennen.
Dabei werden die schmerzende Region am Handgelenk untersucht, typische Druckschmerzpunkte überprüft und spezielle Funktionstests durchgeführt, die die betroffenen Sehnen gezielt belasten. So lässt sich die Diagnose meist eindeutig stellen.
Eine Bildgebung wie Röntgen oder Ultraschall ist in den meisten Fällen nicht erforderlich. Sie kommt nur dann zum Einsatz, wenn der Verdacht auf andere Erkrankungen besteht oder die Beschwerden nicht eindeutig zuzuordnen sind.


Behandlung der Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis de Quervain)
In milden Fällen kann eine Ruhigstellung in einer Orthese und die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten (z. B. Diclofenac, Ibuprofen o. Ä.) erwogen werden. Auch eine lokale Kortisoninjektion kann sinnvoll sein.
Bei ausgeprägter Symptomatik kann dann aber letztlich nur ein operativer Eingriff sichere, dauerhafte Beschwerdefreiheit bringen. Voraussetzung für jede handchirurgische Operation ist eine sog. Blutleere des betroffenen Armes. Dies wird durch auswickeln des Blutes mit einer Gummibandage erreicht. Am Oberarm wird eine Druckmanschette angelegt, die wie beim Blutdruck messen aufgepumpt wird, sodass kein Blut mehr in den Arm fließen kann. Dies kann durchaus schmerzhaft sein, sodass der Eingriff, je nach Wunsch des Patienten oder der Patientin, in einer kurzen Vollnarkose oder aber in einer örtlichen Betäubung erfolgt.
Am Handgelenk wird über dem körperfernen Unterarm ein kleiner querer Schnitt angelegt. Die quere Schnittführung ist von kosmetischem Vorteil, da die Narbe dann parallel zu den Hautspaltlinien verläuft. Im Unterhautfettgewebe muss der oberflächliche Speichennerv sorgfältig und vorsichtig bei Seite präpariert und geschont werden. Dann wird das Halteband der Strecksehnen über dem ersten Strecksehnenfach längs vollständig durchtrennt. Meist entleert sich dabei reichlich entzündliche Flüssigkeit. Die entzündete Sehnenschleimhaut wird nun vollständig entfernt und die Sehnen voneinander gelöst, da sie häufig durch die Entzündung miteinander verklebt sind. Ein besonderes Augenmerk ist dabei darauf zu legen, beide Sehnen sicher zu identifizieren da die Sehne des kurzen Daumenstreckers häufig in einem separaten Fach innerhalb des Strecksehnenfachs verläuft. Wird dieses übersehen, so bestehen die Beschwerden weiter und machen meist eine zweite Operation erforderlich. Anschließend wird nur die Haut durch eine kosmetische intrakutane, d. h. in der Haut verlaufende Naht verschlossen.
Nachbehandlung
Eine Ruhigstellung nach der Operation ist nicht erforderlich, kann aber bei Fällen einer ausgeprägten entzündlichen Schwellung für einige Tage sinnvoll sein. Eine Handtherapie ist meist nicht notwendig. Die Beschwerden sind rasch besser und klingen im Rahmen der Wundheilung in der Regel schnell völlig ab.
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